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Christian-Markus Raiser & Reinhold Friedrich, Januar 2025
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Mit Pauken und
Trompeten und natürlich Orgel
Festkonzert zu 20
Jahre Rémy-Mahler-Orgel in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe begeistert
Publikum
Festlicher Klang erfüllt die voll besuchte Stadtkirche.
Heller, prächtiger Schall steigt empor, getragen von drei Trompeten und Pauken,
während die Orgel das Ganze mit warmen Registern begleitet. Mit einer „Intrada“
von Georg Philipp Telemann begann am Samstag Abend das große Festkonzert – ein
Höhepunkt des Wochenendes, an dem die Evangelische Stadtkirche Karlsruhe ans
20-jährige Jubiläum ihrer Rémy-Mahler-Orgel erinnerte. Reinhold Friedrich an
der Piccolo-Trompete, an seiner Seite mit Marlon Mora und Alban Noailly weitere
zwei Trompeter und Alexander Schröder an den Pauken musizierten gemeinsam mit
der „Hauptperson“ des Abends, der Rémy-Mahler-Orgel, die Kirchenmusikdirektor
Christian-Markus Raiser spielte. Das Instrument steht vorn links neben dem
Altarbereich und ist damit nah dran an den Leuten, also im Gottesdienst bei der
Gemeinde und im Konzert beim Publikum.
Das Programm des Abends brachte die klanglichen und
stilistischen Möglichkeiten der Rémy-Mahler-Orgel eindrucksvoll zur Geltung. In
den Stücken musizierten mal drei, mal zwei oder nur eine Trompete mit der
Orgel, mal spielte die Orgel solo. Raiser hatte dabei auch Werke des
französischen Barock ausgesucht, etwa eines von Nicolas de Grigny, in dem das
„Grand Jeux“, also das „große Spiel“ mit gezogenen Registern wie Cornet und
Trompette, erklingt. Die Reminiszenz ans Französische hat ihren Grund. Denn die
Orgel stammt aus dem Elsass. Sie wurde 2005 eingerichtet, als Ergänzung zur
großen Orgel, die auf der Empore gespielt wird und über die Stockwerke ins
Gebäude eingebaut ist. Die Rémy-Mahler-Orgel hingegen ist eine freistehende, regelrechte
Orgelskulptur. Mit ihren zackigen Spitzen und den aufragenden Pfeifen strebt
sie steil nach oben und erinnert wegen der eingearbeiteten züngelnden Formen
nicht zuletzt an den Brand und das Feuer, als die Stadtkirche 1944 beim
Bombenangriff in Flammen stand und dabei ihre alte Orgel verlor.
Besonders klangfarbenreich war die Suite des
zeitgenössischen Komponisten Jon Laukvik, wo Raiser etwa im zweiten Satz
„Récit“ mit der einen Hand auf dem obersten dritten Manual verklärend enge
Fantasien im Klang der Cromorne spielte, während die andere Hand ein Manual
darunter im Flötensound stützte. Wer in den ersten Reihen der Stadtkirche saß, konnte
dem Organisten wunderbar über die Schulter schauen. Weitere Highlights im
Programm waren eine Torelli-Sonate, die Alban Noailly in den hohen Tönen der
Trompete wunderbar klar gestaltete. Noailly hat 2020 sein Abitur gemacht und
ist derzeit Meisterschüler bei Reinhold Friedrich. Und Marlon Mora überzeugte
in einem Konzert von Tomaso Albinoni, das an der Orgel Eriko Takezawa
begleitete, mit einfühlsamen, stellenweise auch leiserem Spiel, was im großen
Kirchenhall bestens rüberkam.
Manche im Publikum waren damals, 2005 zur Einweihung, bereits
dabei und erinnerten sich noch an den Mann mit den zwei Brillen, der bis
zuletzt an der Orgel dies und das zu werkeln hatte. Rémy Mahler wird dieses
Jahr 69 und hat in Pfaffenhoffen seine Orgelbauwerkstätte. Und auch Reinhold
Friedrich war 2005 dabei. Mit studierenden Trompeterinnen und mit
Christian-Markus Raiser hatte er damals das Konzert gestaltet. Insofern war es ein
bewegender Abend für alle, was Reinhold Friedrich denn auch nutzte, ein paar
Worte sprechen. Als 10-Jähriger hatte der in Weingarten geborene Friedrich die Karlsruher
Stadtkirche besucht, als dort das Kinderkirchenmusical „Arche Noah“ gegeben
wurde. Seitdem hat er das Gotteshaus liebgewonnen. Mit Raiser verbindet ihn
eine lange Freundschaft. Seit Reinhold Friedrich 1986 den ARD-Wettbewerb
gewann, zählt er zu den gefragtesten Trompetern weltweit. Doch sein erfüllter
künstlerischer Werdegang macht demnächst einen besonderen Schritt. Mit
deutlichen und langsam gesprochenen Worten warb er vor dem ganzen Publikum
jetzt schon für das große Abschlusskonzert, das er am 25. Juli 2026 in der
Stadtkirche geben wird. Er wird dann 37 Jahre lang Professor an der
Musikhochschule gewesen sein und viele Ehemalige werden mit musizieren,
bestimmt auch mit der Orgel. Während die Rémy-Mahler-Orgel in bestem Zustand ist,
muss die große Orgel saniert werden. Von den Gesamtkosten von 300.000 Euro
fehlen der Gemeinde noch 40.000 Euro. Dass Spenden willkommen sind, war auf
Flyern zu lesen, die mit dem Programmzettel verteilt wurden.