Mittwoch, 26. März 2025

Dienstag, 18. März 2025

Nils Landgren Funk Unit

Landesjazzfestival Bruchsal 2025 Auftaktkonzert, März 2025

Fröhlich, rhythmisch und frei

Die „Nils Landgren Funk Unit“ begeisterte beim Landesjazzfestival Bruchsal im ausverkauften Bürgerzentrum

Auftakt der Spitzenklasse: Das Landesjazzfestival Bruchsal 2025 startete am Montagabend im voll besuchten Rechbergsaal des Bürgerzentrums mit einem großartigen Konzert der „Nils Landgren Funk Unit“. Die legendäre Formation um den schwedischen Posaunisten und Sänger Nils Landgren feierte ihr 30-jähriges Bestehen und bescherte dem Publikum ein funkensprühendes Finale ihrer Jubiläumstour, die nach Stationen in Paris und London in Bruchsal ihren Abschluss hatte. Doch zunächst hieß es Geduld wahren. Vor der Musik standen Reden auf dem Programm. Jazzclub-Vorsitzender Christian Kretz dankte Helfern und Unterstützern. Und Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick zeigte sich stolz, dass Bruchsal für zwei Wochen jetzt zur Jazz-Metropole wird. Baden-Württembergs Kulturstaatssekretär Arne Braun betonte die kulturpolitische Bedeutung: „Ohne Freiheit der Kunst gibt es keine Freiheit der Gesellschaft.“ Kluge Worte, die aber in der aufgeregten Erwartung kurz vor Konzert fehl am Platz wirkten, weshalb sich ein paar Witzbolde die Freiheit nahmen und in die Rede hinein ungeduldig ironisch „Zugabe!“ riefen. Das zog Lacher nach sich, woraufhin sich der Staatssekretär kurz fasste, auf dass endlich die „Funk Unit“ die Bühne enterte.

Schon im ersten Titel „Unbreakable“ glänzte Nils Landgren – in roten Turnschuhen passend zu seiner berühmten metallic-roten Posaune – mit einem langen, charakterstarken Solo. Landgren geht in der Improvisation in die Höhen, schleift und schmiert die Töne fein abgestimmt und mixt rasend schnelle Ornamente ins Spiel. Nach wie vor macht es Riesenspaß, Landgren zu zuhören. Er ist Jahrgang 1956 und gehört zu den erfolgreichsten Jazz-Musikern aus Europa. Seine Formation hat den Funk-Jazz geprägt: eine mitreißende Mischung aus Improvisation und treibenden, synkopierten Rhythmen mit groovenden Basslinien und markanten Bläserriffs. Ihrem unverkennbaren Stil ist die „Nils Landgren Funk Unit“ auch auf ihrem aktuellen Album „Raw“, das sie zu ihrem Jubiläum auf Mallorca produziert hat, treu geblieben. Viele Titel daraus präsentierte die Band am Konzertabend in Bruchsal, energiegeladen und – was dem Jazz so gut tut – fröhlich und gut gelaunt.

So etwa beim Song „Doin’ it for the People“, wo Landgren das Publikum per Handzeichen in drei Gruppen aufteilte und zum Mitsingen des Refrains animierte. Spätestens jetzt war der gesamte Saal elektrisiert. Funk war in jeder Sekunde spürbar. Zum Beispiel bei Magnum Coltrane Price – mit grauhaariger Irokesenmähne und leuchtend orangefarbenem Straßenreiniger-Overall. Er sorgte mit rhythmisch dichtem, sich immer in Bewegung befindlichen Bass für betriebsamen Untergrund. Man nimmt diesen Bass gar nicht als Grundtongeber der Harmonien wahr, vielmehr als fortwährenden Einheizer in der Tiefe. Petter Bergander an den Keyboards spielt sowohl am Rhodes-Piano als auch an der Hammond-Orgel ideenreich und einfühlsam. Als Komplementär zu Landgrens Posaune lieferte Jonas Wall am Tenor-Saxophon einen abrundenden Sound, der klanglich gern mal in Richtung City-Jazz abwanderte.

Die sechs Männer der Formation sind exzellente Instrumentalisten. Sie sind zudem alle mit Vocals in den Songs beteiligt, was dem Musizieren stets einen gut gelaunten Zusammenhalt beschert. Jeder von ihnen bekommt Raum und viel Freiheit für Soli und Improvisation. Da wäre Andy Pfeiler an der E-Gitarre, der im Haupttitel „Raw“ sein Solo hatte und sich dabei in mittlerer Lage locker durch sämtliche Skalen spielte, um erst spät in die Höhe zu gehen, bis ihn die Bläserkollegen mit langen Tönen wieder abholten. Da wäre Robert Ikiz an den Drums. Er hatte in „C U in Concert“ sein Solo, wobei er im Übergang einfach den Funk-Beat des Liedes schnell weiterlaufend beibehielt und nur spärlich Becken und Toms nutzte, dafür aber am Ende alles auf der Snare-Drum verdichtete, bis schlagartig wieder die ganze Formation einstieg. Ein Juwel des Live-Musizierens! Das hohe Spielniveau hielt sich über alle Songs, auch nach der Pause bis zur Zugabe „Aint Nobody“. Von Nils Landgren dirigiert konnten hier wieder alle mitsingen. Die Stimmung war bestens. Aufstehen und ein bisschen tanzen gehörten mit dazu. Die „Nils Landgren Funk Unit“ hat das Landesjazzfestival Bruchsal fulminant eröffnet. Zwei Wochen stehen jetzt an – die Messlatte für die kommenden Konzerte liegt hoch.

Montag, 17. März 2025

Jakobus Theater

Theke mit Barkeeper und Theatergast, März 2025

Eindringliche Mahnung

Szenische Lesung nach Correktiv-Recherchen „Geheimplan für Deutschland“ im Jakobus-Theater

Die Bühne ist noch leer. Ein Monitor im Hintergrund zeigt Fotos vom KZ Auschwitz und eine Stimme aus dem Lautsprecher erklärt das Wort „Selektion“, das System im NS-Terror, das Menschen in Leben und Tod einteilte. Unmissverständlich macht die szenische Lesung „Geheimplan für Deutschland“ seinem Publikum schon am Anfang klar, um welch grausame Dimension es sich bei allem Folgenden dreht. Am Samstag hatte das Stück im Jakobus-Theater – Karlsruhes größter Bühne für Amateur-Schauspiel – Premiere. Die sieben Darsteller treten auf, setzen sich. Jeder hat eine schwarze Mappe mit Textskript in der Hand. Die Lesung beginnt: „Am 25. November 2023 ist es wieder soweit.“ Mit diesem Satz wird das Publikum in die Recherche des gemeinwohlorientierten Medienunternehmens Correctiv hineingezogen. An diesem Tag trafen sich in einem Potsdamer Hotel AfD-Politiker, Neonazis und finanzstarke Unternehmer. Ihr Plan: die Vertreibung von Millionen Menschen. Das Geheimtreffen flog jedoch auf, weil ein Correctiv-Reporter undercover recherchierte. Nach der Enthüllung im Januar 2024 war das Entsetzen groß und es gab bundesweite Demos für Demokratie und gegen Rechtsextremismus.

Das Berliner Ensemble hatte die Recherche als szenische Lesung auf die Bühne gebracht. Nun folgt das Jakobus-Theater. Unter künstlerische Leitung von Freddi Schmieder wurden Originaltexte übernommen und mit eigenen Ideen ergänzt. So wird etwa nachgespielt, wie Gastgeber Gernot Mörig seine Begrüßungsrede hält oder wie Rechtsextremist Martin Sellner taktisch argumentiert, dass das Wort „Remigration“ systematisch als schönrednerisches Synonym für Umsiedlung, Deportation und Vertreibung etabliert werden soll. Die Lesung legt offen, mit welch strategischer Kälte in AfD-Kreisen diskutiert wird. Wie können mit konkreten Gesetzen, also mit den Mitteln des Rechtsstaats, Menschen mit Migrationshintergrund des Landes verwiesen werden? Bei einer etwaigen späteren Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft könnte die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen werden, wobei zuvor aber möglichst viele Menschen Anreize bekommen müssten, die doppelte Staatsbürgerschaft auch anzunehmen.

Die Jakobus-Inszenierung erweist sich als gute Balance von Infos und Emotion. Besonders eindringlich ist dabei der schöne Beitrag von Chiara Drobek, die nach der bedrückenden Flut an Fakten den Song „Everybody Knows“ singt. Vor allem im letzten Drittel wagt das Jakobus-Theater eigene Akzente und bezieht die Ereignisse – über ein Jahr danach – aufs Hier und Jetzt. Etwas unglücklich geraten ist dabei das pauschale Schimpfen mit dem Wort „Nazi“. Das scheltende Fluchen ist zwar emotional verständlich, wirkt gesellschaftlich aber spaltend und ist historisch alles andere als „korrekt“. Und damit untergräbt es letzten Endes auch das ursprüngliche „Correktiv“-Anliegen, möglichst objektiv und sachverhaltsorientiert zu berichten.

Große Freitreppe

Innen im Kino Schauburg Karlsruhe, März 2025

Die Karlsruher Urban Sketchers haben sich im Kino getroffen. Ich war dabei. Die geschwungene, gegenläufige Treppe aus den 1950er Jahren steht unter Denkmalschutz. Sie ist sehr schwierig zu zeichnen.