![]() |
| Karlstraße 57, Oktober 2026 |
SkizzenJournalKarlsruhe
+ + + + + Zeichnung & Reportage + + + + +
Dienstag, 27. Oktober 2026
Neuapostolische Kirche Karlsruhe-Mitte
Sonntag, 25. Oktober 2026
Südliches Ende der Karlstraße
![]() |
| Übergang zur Breite Straße in Beiertheim, Oktober 2026 |
Am südlichen Ende der Karlstraße, in Beiertheim, geht es beschaulich zu. Alles fängt hier mit einem Zebrastreifen an. Hier, beim Café Saloon, beginnt die sehr lange und sehr gerade Karlstraße Richtung Norden. Oder sie endet hier, je nachdem, von wo man kommt. Am Übergang zur Breiten Straße bei der Querung der Marie-Alexandra-Straße ist Anfang der Karlstraße. Oder Schluss. Je nach Blickwinkel. Wenn man hier nach Norden schaut, liegt hinter einem im Süden das alte Beiertheim, wo sogar noch ein altes Fachwerkhaus steht, ein zweites daneben, das allerdings verputzt ist, so dass man das Fachwerk nicht mehr sehen kann. Beim Blick nach Norden zieht sich die Karlstraße bis weit in die Ferne. Hinten im Dunst steht eine Straßenbahn, man sieht ganz klein Leute.
Ich setze mich mit meinem Campinghocker auf die Sperrfläche, wo daneben Glascontainer und Fahrradständer stehen. Sperrfläche heißt in der Straßenverkehrsordnung nach § 41 die schräg gestreifte Fahrbahnmarkierung, auf die die Autos nicht fahren dürfen. Da kannst Du Dir denken, dass Urban Sketchers große Freunde von Sperrflächen sind. Weil die Autos in der Stadt so oft Dir die Sicht verdecken, und du als Urban Sketcher nicht sehen und zeichnen kannst, wie du es gerne willst. Weil die Autos alle freien Meterabschnitte der Straßen zuparken und du als Urban Sketcher vor lauter parkenden PKWs fast nur parkende PKWs zeichnen kannst, und das noch nicht einmal besonders gut detailliert, weil wenn du angefangen hast, so einen parkenden PKW zu zeichnen, kannst du darauf wetten, dass kaum, wenn du Motorhaube oder Kotflügel zeichnerisch angelegt hast, der PKW-Mann oder die PFK-Frau kommt und den Wagen ausparkt und wegfährt. So geht das! Wenn Du jetzt glaubst, dass ich übertreibe, dann überprüfe dieses rhetorische Stilmittel des hyperbolischen Erzählens gerne und frage gern und gerner einmal andere Urban Sketchers. Sie werden es Dir bestätigen, dass das immer so ist. Immer. Ausnahmslos. Gut an der Sperrfläche ist, dass dich kein Auto weghupen und verdrängen kann, wenn du draufsitzt auf der Sperrfläche und zeichnest. Das nämlich kann passieren, wenn du an so mehr oder weniger undefinierten Flächen des öffentlichen Raumes dich zum Urban Sketching installierst. Das kann neben Eingängen zu Ladengeschäften sein, am Straßenrand, wo ein Stückchen Wiese oder Schotterfeld ist oder auch auf Gehsteigen. Da kann es sein, dass du verdrängt wirst, oder zumindest dass so ein Auto sich ganz dicht, ganz langsam zum Abparken dahinschiebt, wo du gerade fürs Sketchen installiert bist. So geht das. Es kann vorkommen, dass die Autos sich vor deiner Nase parkend hinstellen, oft nachdem du angefangen hast zu skizzieren oder sogar eine Weile dabei bist und erst dann, nachdem das Auto vor deiner Nase steht, erkennst du, dass das vor deiner Nase – huch – so eine undefinierte Fläche des öffentlichen Raumes ist. Da ist es gut, dass so eine Sperrfläche – wir erinnern uns, nach Straßenverkehrsordnung § 41 die schräg gestreifte Fahrbahnmarkierung – dass also so eine Sperrfläche eine echt unmissverständlich definierte Fläche des öffentlichen Raumes ist.
Jetzt ist es furchtbar unverhältnismäßig, dass ich so viel Worte über die – von mir übrigens auch überhaupt nicht gezeichnete – Sperrfläche verliere, zumal diese gar nicht zur Karlstraße gehört. Zur Karlstraße gehört der Zebrastreifen. Der liegt da ganz ruhig da, führt über eine kleine Fußgängerinsel und vermittelt, weil er für Verkehrsordnung und Verkehrssicherheit sorgt, eine wunderbar beschauliche Beiertheimer Karlstraßengelassenheit.
Links und rechts am Rand reihen sich parkende Autos, und zwar, um jetzt mal eine abgedroschene Redewendung des hyperbolischen Erzählens zu bemühen, soweit das Auge reicht.
So eine Übertreibung der bildhaften Veranschaulichung „soweit das Auge reicht“ ist schnell dahin gesagt. Man nimmt so ein rhetorisches Stilmittel wie die Übertreibung, um sich nicht die Mühe zu machen, die Anzahl der Autos genau zu benennen, aber um klar zu machen, dass es viele sind. Man hätte ansonsten ja auch die Autos vorher durchzählen müssen. Man hätte müssen. Man hätte müssen, soweit das Auge reicht. Als beinharter, echter Journalist müsstest Du das tun! Beinharte, echte Recherche! Stell Dir vor, Du schreibst eine wunderbar beschauliche Reportage über die wunderbar beschauliche Beiertheimer Karlstraßengelassenheit und Du schreibst so schnell dahin gesagt von parkenden Autos in einer Reihe, soweit das Auge reicht. Das geht gar nicht – oder, vielleicht doch? Sollte eine Redaktion einer Tageszeitung oder eines Magazin so orientiert sein, dass sie Dir tatsächlich eine wunderbar beschauliche Reportage über die wunderbar beschauliche Beiertheimer Karlstraßengelassenheit abnähmen, dann würde sie wohl auch eine schnell dahin gesagte Übertreibung „soweit das Auge reicht“ hinnehmen. Ich sage es jetzt mal so: In den meisten alltäglichen Fällen ist es gut und erleichtert das ebenso alltägliche Leben ungemein, dass man nicht immer und über alles beinharten, echten Journalismus macht. Die Karlstraße wäre ansonsten voll von Menschen, allesamt Journalisten, die parkende Autos abzählen würden.
Beim Zeichnen machst du ab dem vierten Auto Krikelkrakel. Da hast Du in so einer parkenden Reihe das erste Auto, das Du in der Kontur mit der gezeichneten Linie nicht voll realistisch, aber zumindest charakteristisch umreißt. Dann, perspektivisch am Fluchtpunkt ausgerichtet, dahinter die immer noch hoffentlich charakteristische Linie des zweiten Autos, wobei das dritte Auto dahinter nur noch ganz vage zu hoffen lässt, als charakteristische Autoumrisslinie erkannt zu werden. Und dann da dahinter, da kommt dann das Krikelkrakel, soviel Charakter gibt es für Umrisslinien gar nicht mehr zu hoffen. Dieses gezeichnete Krikelkrakel im Bild ist wie ein „und so weiter und so fort“ im Text, oder eben wie diese bildhafte Veranschaulichung „soweit das Auge reicht“.
Am südlichen Ende der Karlstraße machen die Straßenbahnschienen einen Schlenker. Die Bahnen biegen hier ab, wenn sie Feierabend oder Ruhepause haben. Gleich ums Eck sind die Abstellgleise beim Albtalbahnhof.
Hier am südlichen Ende zeigt sich die Karlstraße von ihrer ruhigen Seite. Mag dieselbe Straße weiter nördlich am Europaplatz manchmal lebendig wuselig sein. Hier ist sie es nicht. Alles fängt hier mit einem Zebrastreifen an, dahinter parkende PKWs. Und rechts im Bild zu sehen, hat jemand sein Lastenfahrrad abgestellt. Zu den parkenden PKWs ist das Lastenfahrrad ein Kontrapunkt, ein Hoffnungsschimmer der Mobilitätswende. Der Kontrapunkt wirkt in der Zeichnung wie bestellt und hin komponiert. Aber ich würde beim Urban Sketching niemals irgendetwas dazu komponieren, was nicht wirklich vor meiner Nase zu sehen ist. Wir zeichnen die Szenen, die wir erleben, wahrhaftig, heißt es im Manifest der Urban Sketchers Bewegung und das Wahrhaftige, das hat seinen tieferen Sinn, auch wenn das Wahrhaftige einen großen Spielraum hat, weil ja jede und jeder die Wahrheit auf ihre und seine Weise wahrnimmt, sieht und umsetzen kann. Entscheidend ist, dass man sein Gewissen befragt und ehrlich bleiben kann, wenn man nach der Wahrhaftigkeit gefragt wird, die in der Zeichnung steckt, die man gemacht hat. Und über die Wahrhaftigkeit lässt sich viel sagen und überlegen, etwa ob sie die kleine oder die große Schwester der Dokumentation ist, ob ihr mit weichem spitzen Bleistift eher beizukommen ist als mit fettem Aquarellpinsel, ob mit viel oder wenig Zeit, und nicht nur überlegen lässt es sich, sondern auch und so weiter und so fort und ich sag mal so: Krikelkrakel.Sonntag, 18. Oktober 2026
Baumeisterstraße 4
Sonntag, 11. Oktober 2026
Gäste im Radhaus
![]() |
| Oberwald Rüppurr Biergarten, Oktober 2026 |
Sonntag, 4. Oktober 2026 war der letzte offene Bewirtungstag im Radhaus Karlsruhe, dem wunderschönen Biergarten im Oberwald. Ich war dabei. Danke!
Schloss Rückseite
Junge Kunsthalle Orangerie
![]() |
| Botanischer Garten Karlsruhe, Oktober 2026 |
Die Orangerie der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe ist heute als Junge Kunsthalle ein Ort für junges Kunstpublikum und Familien und für neue Perspektiven. Hier ist sie von der Seite des Botanischen Gartens aus zu sehen, zwischen Bäumen und Rosenblüten. Die Architektur nimmt sich in dieser Ansicht etwas zurück. Nur Teile der Fassade präsentieren sich: der Turm mit seiner türkisfarbenen Kuppel, die Fensterreihen, das Dach, die hellen Wandflächen.
Im Haus der Orangerie steckt viel Karlsruher Architekturgeschichte. Der Architekt Heinrich Hübsch (1795–1863), badischer Hofbaudirektor und einer der prägenden Baumeister des 19. Jahrhunderts, entwarf das Gebäude. Zwischen 1853 und 1857 entstand es als Winterquartier für empfindliche Kübelpflanzen, darunter Zitrusbäumchen.
Hübsch war Schüler Friedrich Weinbrenners und kannte den Klassizismus von daher bestens. Aber er wandte sich von dessen strenger Formensprache ab. In seiner 1828 veröffentlichten Schrift „In welchem Style sollen wir bauen?“ fragte er grundsätzlich nach einer zeitgemäßen Architektur. Er plädierte dafür, nicht einfach historische Stile zu kopieren, sondern Bauweise, Material und praktische Anforderungen miteinander zu verbinden. Sein sogenannter Rundbogenstil griff unter anderem romanische Formen auf, entwickelte daraus aber eine eigene Architektursprache.
An der Orangerie lässt sich diese Haltung ablesen. Die großen Rundbogenfenster gliedern die lang gestreckte Fassade. Hübsch plante nicht nur ein einzelnes Gebäude. Die Orangerie gehört zu einem Ensemble aus Kunsthalle, Gewächshäusern und weiteren Bauten rund um den Botanischen Garten. Architektur und Landschaft sollten zusammenwirken und einen malerischen Eindruck erzeugen. Okay, hab ich versucht einzufangen. Vom Garten aus erscheint die Orangerie zwischen Bäumen und Blüten, nicht als isolierter Solitär, sondern als Teil einer zusammen gewachsenen Umgebung.






