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| Hirschstraße 113 in der Südweststadt, Februar 2026 |
SkizzenJournalKarlsruhe
+ + + + + Zeichnung & Reportage + + + + +
Montag, 23. Februar 2026
Südendstraße
Welfenstraße
Zwischen Bulach & Beiertheim
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| Östlicher Pylon auf der Albbrücke mit der Katzenfigur des Bildhauers Gerhard Karl Huber, Februar 2026 |
Mut zur Tücke
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| Musikkabarettistin Sarah Hakenberg im Kulturzentrum Tollhaus, Februar 2026 |
Mut zur Tücke
Im ausverkauften
Kulturzentrum Tollhaus Karlsruhe begeistert Sarah Hakenberg mit Witz, Haltung
und musikalischer Raffinesse bei ihrer Tour 2026.
Zwanzig Jahre hat sie auf diesen Abend gewartet. „Irgendwie
hat es nie geklappt“, sagt Sarah Hakenberg und erzählt, sie habe bei ihrer
Agentur regelrecht gebettelt, endlich einmal in Karlsruhe spielen zu dürfen.
Nun steht sie im ausverkauften Saal des Tollhaus und das Publikum jubelt vom
ersten Moment an.
Seit zwei Jahrzehnten ist die Musikkabarettistin und Liedermacherin
in der Kleinkunstszene unterwegs, vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2014
mit dem Münchner Ernst-Hoferichter-Preis für ihre Liedtexte und 2016 mit dem
Deutscher Kabarettpreis. Doch erst seit etwa zwei Jahren bespielt sie auch die
sozialen Medien. Ihre kurzen, pointierten Klavier-Videos haben ihr dabei noch
einmal enorme Reichweiten beschert. Eines ihrer meistgeklickten Reels bringt
sie gleich zu Beginn: die traurig absteigenden Töne a, f, d. „Damit ihr nicht
so lange drauf warten müsst“, sagt sie, schlägt den gebrochenen Mollakkord an
und kommentiert den musikalischen Abstieg politisch: AFD. Das Publikum lacht,
wissend und ein wenig ertappt.
„Und wer von Euch hat mich schon auf TikTok gesehen?“, ruft
sie in den vollen Saal. Niemand meldet sich. „Aha, ältere Zielgruppe“,
konstatiert sie trocken und betreibt so ihre ganz persönliche
Live-Marktforschung. Einer brüllt, er kenne sie aus dem WDR. „Du guckst WDR,
bist aber noch so agil, nach Karlsruhe ins Tollhaus zu kommen?“ kontert sie
fröhlich erstaunt. Hakenberg ist schlagfertig, hellwach, mit einer ansteckend
lebensfrohen Bühnenpräsenz.
Inhaltlich geht es in ihrem Programm ums Weltverbessern. Und
darum, wie man dabei nicht nach kurzer Zeit schlappmacht. Man müsse eben einen
Ansatz wählen, der einem wirklich Spaß mache, sagt sie. Ihrer sei es, andere –
weil ihr das halt so richtig Spaß mache – auf deren Fehlverhalten aufmerksam zu
machen! Mit solchem augenzwinkernden Credo setzt sie sich ans Klavier und
stimmt ihren Titelsong „Mut zur Tücke“ an. Ihre Lieder sind durchzogen von
gereimten Pointen, feinem Sprachwitz und präzise gesetzten Refrains. Beim Song „Traumurlaub
zuhaus“ darf das Publikum in parallelen Terzen mitsingen. Musikalisch ist dabei
vieles simpel gehalten, damit Text und Pointe umso klarer hervortreten.
Inhaltlich geht es um kleinbürgerliche Sehnsüchte: der eigene Pool im Garten
als Ersatz für Fernreisen, der am Ende allerdings mehr Ehekrise als Erholung
bringt. Hakenberg scheut nicht die einfache Kadenz, wenn sie dramaturgisch
sinnvoll ist. Mitunter klingen ihre Melodien bewusst harmlos, fast wie
Kinderlieder, etwa wenn sie zur Ukulele greift und vom caritativen Fest zum
Weltflüchtlingstag singt. Alle sind „voll sozial“, es gibt eine Tombola und am
Ende gewinnt ausgerechnet der Syrer den Hauptpreis: eine Kreuzfahrt auf dem
Mittelmeer. Der Saal johlt. Es sind intelligent komponierte Gesellschaftslieder
mit Biss, Spottsongs mit Stachel, aber auch hartnäckig eingängige Melodien.
Fächertaube
Montag, 16. Februar 2026
Jazz Night
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| Badisches Staatstheater Karlsruhe: Kristjan Randalu und Bodek Janke, Februar 2026 |
Heimspiel mit Weltformat
JazzNight im Kleinen Haus begeistert mit Randalu & Janke
Ausverkauftes Haus und zwei Musiker, die sich seit über drei Jahrzehnten blind verstehen. Bei der „JazzNight“ im Kleinen Haus des Badisches Staatstheater zeigten der Pianist Kristjan Randalu und der Schlagzeuger Bodek Janke am Sonntag Abend, warum ihr Duo weit mehr ist als die Summe zweier Instrumente. Gleich ihr erster Titel setzte ein Ausrufezeichen: Take Five! Allerdings brauchte es etwas Zeit, bis man das berühmte Thema des Originals von Dave Brubeck heraushören konnte. Hier wurde zerlegt, verschoben, neu zusammengesetzt. Das Schlagzeug hielt zwar den Puls, doch Janke unterlief ihn unablässig mit ungeduldigen Fill-ins, ließ Toms und Bassdrum dazwischenfunken, als wolle er das Metrum prüfen, reizen und herausfordern. Randalu wiederum musste, weil im Duo ja der Bass fehlt, die linke Hand für die tiefen Töne mit markanten, kräftigen Akzenten ausstatten, während sich die rechte immer wieder löste: mal lässig und melodiös, dann wieder in irrwitzigen Tempoläufen ausbrechend.
Im ersten Konzertteil widmeten sich die beiden bekannten Jazz-Standards. Das waren Evergreens, neu gehört. Blue Bossa von Kenny Dorham zum Beispiel. Janke trommelte hierzu auf kleinen Tablas, mit Fingerspitzen, Handballen und Feingefühl, das ins Meditative führte. Sphärische Tiefe entstand nicht durch Lautstärke, sondern durch klangliche Differenzierung. Überhaupt war faszinierend, wie beide die Klangqualitäten ihrer Instrumente permanent reflektierten: Felle der Toms wurden gerieben, Ränder abgeklopft. Am Klavier zupfte Randalu zur Sounderweiterung auch mal in den Saiten des weit geöffneten Flügels. Nach der Pause folgte ein zweiter Teil mit älteren Stücken und Eigenkompositionen, geprägt auch von freier Improvisation. Dennoch wirkte nichts zufällig. Die beiden sind derart eingespielt, dass selbst größte Freiheit strukturelle Klarheit behält. Aber: In ihrer charmanten Moderation versicherten sie dem Publikum, es sei „wirklich jedes Mal anders“.
Kennengelernt haben sich Randalu, geboren in Estland, und Janke, geboren in Polen, am Karlsruher Helmholtz-Gymnasium. Ihr erster öffentlicher Auftritt: 1993 in der Badnerlandhalle Neureut, damals Siebtklässler, engagiert für eine offizielle Feier, bei der sogar der König von Lesotho anwesend war. Ob es stimmt, dass der sich ein Becken auslieh und nie zurückbrachte, ging im Gelächter des Publikums unter. Sicher ist: Seit jenem Jugendalter musizieren die beiden im Duo, sind international auch in anderen Formationen unterwegs, aber nirgends so kontinuierlich wie hier. „Das ist einmalig schön“, bestätigten sie sich gegenseitig. Beim Musizieren hört man das. Im Timing fügen sich beide perfekt ineinander. Die Abschlüsse der Songs werden akkurat gemeinsam gestaltet. Mit der Zugabe des Broadway-Standards „All the things you are“ endete das Konzert, das ein Heimspiel war und das Publikum mit langem Riesenapplaus belohnte.






