![]() |
| Badisches Staatstheater Karlsruhe: Kristjan Randalu und Bodek Janke, Februar 2026 |
Heimspiel mit Weltformat
JazzNight im Kleinen Haus begeistert mit Randalu & Janke
Ausverkauftes Haus und zwei Musiker, die sich seit über drei Jahrzehnten blind verstehen. Bei der „JazzNight“ im Kleinen Haus des Badisches Staatstheater zeigten der Pianist Kristjan Randalu und der Schlagzeuger Bodek Janke am Sonntag Abend, warum ihr Duo weit mehr ist als die Summe zweier Instrumente. Gleich ihr erster Titel setzte ein Ausrufezeichen: Take Five! Allerdings brauchte es etwas Zeit, bis man das berühmte Thema des Originals von Dave Brubeck heraushören konnte. Hier wurde zerlegt, verschoben, neu zusammengesetzt. Das Schlagzeug hielt zwar den Puls, doch Janke unterlief ihn unablässig mit ungeduldigen Fill-ins, ließ Toms und Bassdrum dazwischenfunken, als wolle er das Metrum prüfen, reizen und herausfordern. Randalu wiederum musste, weil im Duo ja der Bass fehlt, die linke Hand für die tiefen Töne mit markanten, kräftigen Akzenten ausstatten, während sich die rechte immer wieder löste: mal lässig und melodiös, dann wieder in irrwitzigen Tempoläufen ausbrechend.
Im ersten Konzertteil widmeten sich die beiden bekannten Jazz-Standards. Das waren Evergreens, neu gehört. Blue Bossa von Kenny Dorham zum Beispiel. Janke trommelte hierzu auf kleinen Tablas, mit Fingerspitzen, Handballen und Feingefühl, das ins Meditative führte. Sphärische Tiefe entstand nicht durch Lautstärke, sondern durch klangliche Differenzierung. Überhaupt war faszinierend, wie beide die Klangqualitäten ihrer Instrumente permanent reflektierten: Felle der Toms wurden gerieben, Ränder abgeklopft. Am Klavier zupfte Randalu zur Sounderweiterung auch mal in den Saiten des weit geöffneten Flügels. Nach der Pause folgte ein zweiter Teil mit älteren Stücken und Eigenkompositionen, geprägt auch von freier Improvisation. Dennoch wirkte nichts zufällig. Die beiden sind derart eingespielt, dass selbst größte Freiheit strukturelle Klarheit behält. Aber: In ihrer charmanten Moderation versicherten sie dem Publikum, es sei „wirklich jedes Mal anders“.
Kennengelernt haben sich Randalu, geboren in Estland, und Janke, geboren in Polen, am Karlsruher Helmholtz-Gymnasium. Ihr erster öffentlicher Auftritt: 1993 in der Badnerlandhalle Neureut, damals Siebtklässler, engagiert für eine offizielle Feier, bei der sogar der König von Lesotho anwesend war. Ob es stimmt, dass der sich ein Becken auslieh und nie zurückbrachte, ging im Gelächter des Publikums unter. Sicher ist: Seit jenem Jugendalter musizieren die beiden im Duo, sind international auch in anderen Formationen unterwegs, aber nirgends so kontinuierlich wie hier. „Das ist einmalig schön“, bestätigten sie sich gegenseitig. Beim Musizieren hört man das. Im Timing fügen sich beide perfekt ineinander. Die Abschlüsse der Songs werden akkurat gemeinsam gestaltet. Mit der Zugabe des Broadway-Standards „All the things you are“ endete das Konzert, das ein Heimspiel war und das Publikum mit langem Riesenapplaus belohnte.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen