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Dienstag, 18. März 2025

Nils Landgren Funk Unit

Landesjazzfestival Bruchsal 2025 Auftaktkonzert, März 2025

Fröhlich, rhythmisch und frei

Die „Nils Landgren Funk Unit“ begeisterte beim Landesjazzfestival Bruchsal im ausverkauften Bürgerzentrum

Auftakt der Spitzenklasse: Das Landesjazzfestival Bruchsal 2025 startete am Montagabend im voll besuchten Rechbergsaal des Bürgerzentrums mit einem großartigen Konzert der „Nils Landgren Funk Unit“. Die legendäre Formation um den schwedischen Posaunisten und Sänger Nils Landgren feierte ihr 30-jähriges Bestehen und bescherte dem Publikum ein funkensprühendes Finale ihrer Jubiläumstour, die nach Stationen in Paris und London in Bruchsal ihren Abschluss hatte. Doch zunächst hieß es Geduld wahren. Vor der Musik standen Reden auf dem Programm. Jazzclub-Vorsitzender Christian Kretz dankte Helfern und Unterstützern. Und Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick zeigte sich stolz, dass Bruchsal für zwei Wochen jetzt zur Jazz-Metropole wird. Baden-Württembergs Kulturstaatssekretär Arne Braun betonte die kulturpolitische Bedeutung: „Ohne Freiheit der Kunst gibt es keine Freiheit der Gesellschaft.“ Kluge Worte, die aber in der aufgeregten Erwartung kurz vor Konzert fehl am Platz wirkten, weshalb sich ein paar Witzbolde die Freiheit nahmen und in die Rede hinein ungeduldig ironisch „Zugabe!“ riefen. Das zog Lacher nach sich, woraufhin sich der Staatssekretär kurz fasste, auf dass endlich die „Funk Unit“ die Bühne enterte.

Schon im ersten Titel „Unbreakable“ glänzte Nils Landgren – in roten Turnschuhen passend zu seiner berühmten metallic-roten Posaune – mit einem langen, charakterstarken Solo. Landgren geht in der Improvisation in die Höhen, schleift und schmiert die Töne fein abgestimmt und mixt rasend schnelle Ornamente ins Spiel. Nach wie vor macht es Riesenspaß, Landgren zu zuhören. Er ist Jahrgang 1956 und gehört zu den erfolgreichsten Jazz-Musikern aus Europa. Seine Formation hat den Funk-Jazz geprägt: eine mitreißende Mischung aus Improvisation und treibenden, synkopierten Rhythmen mit groovenden Basslinien und markanten Bläserriffs. Ihrem unverkennbaren Stil ist die „Nils Landgren Funk Unit“ auch auf ihrem aktuellen Album „Raw“, das sie zu ihrem Jubiläum auf Mallorca produziert hat, treu geblieben. Viele Titel daraus präsentierte die Band am Konzertabend in Bruchsal, energiegeladen und – was dem Jazz so gut tut – fröhlich und gut gelaunt.

So etwa beim Song „Doin’ it for the People“, wo Landgren das Publikum per Handzeichen in drei Gruppen aufteilte und zum Mitsingen des Refrains animierte. Spätestens jetzt war der gesamte Saal elektrisiert. Funk war in jeder Sekunde spürbar. Zum Beispiel bei Magnum Coltrane Price – mit grauhaariger Irokesenmähne und leuchtend orangefarbenem Straßenreiniger-Overall. Er sorgte mit rhythmisch dichtem, sich immer in Bewegung befindlichen Bass für betriebsamen Untergrund. Man nimmt diesen Bass gar nicht als Grundtongeber der Harmonien wahr, vielmehr als fortwährenden Einheizer in der Tiefe. Petter Bergander an den Keyboards spielt sowohl am Rhodes-Piano als auch an der Hammond-Orgel ideenreich und einfühlsam. Als Komplementär zu Landgrens Posaune lieferte Jonas Wall am Tenor-Saxophon einen abrundenden Sound, der klanglich gern mal in Richtung City-Jazz abwanderte.

Die sechs Männer der Formation sind exzellente Instrumentalisten. Sie sind zudem alle mit Vocals in den Songs beteiligt, was dem Musizieren stets einen gut gelaunten Zusammenhalt beschert. Jeder von ihnen bekommt Raum und viel Freiheit für Soli und Improvisation. Da wäre Andy Pfeiler an der E-Gitarre, der im Haupttitel „Raw“ sein Solo hatte und sich dabei in mittlerer Lage locker durch sämtliche Skalen spielte, um erst spät in die Höhe zu gehen, bis ihn die Bläserkollegen mit langen Tönen wieder abholten. Da wäre Robert Ikiz an den Drums. Er hatte in „C U in Concert“ sein Solo, wobei er im Übergang einfach den Funk-Beat des Liedes schnell weiterlaufend beibehielt und nur spärlich Becken und Toms nutzte, dafür aber am Ende alles auf der Snare-Drum verdichtete, bis schlagartig wieder die ganze Formation einstieg. Ein Juwel des Live-Musizierens! Das hohe Spielniveau hielt sich über alle Songs, auch nach der Pause bis zur Zugabe „Aint Nobody“. Von Nils Landgren dirigiert konnten hier wieder alle mitsingen. Die Stimmung war bestens. Aufstehen und ein bisschen tanzen gehörten mit dazu. Die „Nils Landgren Funk Unit“ hat das Landesjazzfestival Bruchsal fulminant eröffnet. Zwei Wochen stehen jetzt an – die Messlatte für die kommenden Konzerte liegt hoch.

Sonntag, 29. September 2024

Twisted Circuits/Rhythm Traces

Nicola Leonard Hein musiziert beim Konzert im ZKM Karlsruhe, September 2024

Das Instrument, das Nicola Leonard Hein um den Hals gehängt hat, ist ein analoger Synthesizer (Buchla Music Easel). Das Gerät hat er mit einem Machine Learning-basierten Musical Agent verbunden. Hein verwendet zudem einen Circuit Bending Controller, der die musikalische Lesart des Buchla Music Easels der 1970er Jahre völlig verändert. Tolle Performance! Zeichnung mit Autogramm des Komponisten.

Le temps s'ouvre

Konzert im ZKM Karlsruhe mit der IEMA, September 2024

Klassische Musik der Gegenwart ist in vielen Fällen elektroakustische Musik. Viele Kompositionen arbeiten dabei mit Bits und Bytes und nutzen die neuen Möglichkeiten der Computertechnologie. Momentan in den letzten Jahren insbesondere Künstliche Intelligenz. Der 1958 geborene Komponist Ludger Brümmer hat zahlreiche, sowohl instrumentale als auch elektroakustische Musik geschrieben. Und Ludger Brümmer hat auch ein Instrument zur Aufführung elektroakustischer Musik erfunden, den so genannten Klangdom. Das ist ein Lautsprechersystem, angeordnet in Form einer Kuppel. In Karlsruhe am ZKM, dem Zentrum für Kunst und Medien, gibt es einen solchen Klangdom. Viele Konzertaufführungen elektroakustischer Musik konnten in der Vergangenheit dort stattfinden. Und in Karlsruhe leitete Ludger Brümmer auch viele Jahre das „ZKM Hertzlab“, ehemals das „Institut für Musik und Akustik“. Am Wochenende nun verabschiedete das ZKM den 66-jährigen Ludger Brümmer in den Ruhestand, und zwar mit einem Symposium und mit Konzerten. Und zudem bekam Ludger Brümmer auch den Ehrenpreis der deutschen Schallplattenkritik verliehen.Ludger Brümmer, der auch als Kurator tätig ist, wünschte sich unter anderem an diesem Wochenende einen Auftritt der IEMA, der Internationalen Ensemble Modern Akademie. 

Konzert Le temps s'ouvre

Festival für elektroakustische Musik im ZKM zum Abschied von Ludger Brümmer, September 2024

 

Freitag, 21. Juni 2024

Stone Flowers im Kulturzentrum Tempel

Jazzpianist Benjamin Schaefer mit seinem Quartett, Juni 2024
 
Alles, was mit Steinblumen zu tun hat

Auf Einladung des Jazzclub Karlsruhe begeisterten Pianist Benjamin Schaefer und seine Quartettformation 'Stone Flowers' das Publikum im Karlsruher Kulturzentrum Tempel mit klangfarbenreichen Eigenkompositionen.

Ein ruhiges, cooles Intro vom E-Piano stand am Anfang. Im weichherzigen Rhodes-Sound suchen sich die Töne nachdenklich über die Tasten, bis die Bassposaune mit einem gelassenen Solo einsteigt und dann entsprechend von der Flöte abgelöst wird, um sich schließlich gemeinsam in wunderschönen Melodiebögen zu verfangen – durchweg begleitet vom gediegenen Schlagzeug à la Bossa Nova. Benjamin Schaefer und sein Quartett „Stone Flowers“ klingen magisch, ihre Arrangements sind ausgewogen und einfallsreich und sie liefern im besten Sinne soliden, vor allem aber einfühlsamen Jazz. Davon konnte man sich am Donnerstag Abend beim Konzert mit etwa 50 Zuhörern im Kulturzentrum Tempel überzeugen. Der Jazzclub Karlsruhe hatte Schaefers Auftritt programmiert. Obwohl erst im letzten Jahr neu fertig gestellt, kann der Jazzclub im Passagenhof derzeit nicht als Spielstätte genutzt werden, denn es ist dort schon wieder Baustelle. Die Toiletten müssen saniert werden. Also ging es – wie die Jahre zuvor so oft – an den Ausweichort in Karlsruhe-Mühlburg. Gewohnterweise ein Glücksfall, denn die Akustik im Saal mit dem alten Ziegelgemäuer passt bestens, ist weder zu trocken, noch hat sie zu viel Hall.

Der 1981 in Braunschweig geborene Schaefer hat bereits in verschiedenen Formationen gespielt, von der Bigband bis zu Kleinstbesetzungen. Für die „Stone Flowers“ hat er sich musikgeschichtlich nach dem Motiv der Steinblumen umgehört und ist fündig geworden. Jener erste Titel des Konzertabends war eine eigene Komposition und eine Hommage an den 1994 verstorbenen brasilianischen Sänger, Komponisten und Mitbegründer des Bossa Nova Antônio Carlos Jobim. Auf dessen Album „Andorinha“ nämlich findet man ein Stück namens „Stone Flower“, das Schaefer für die Besetzung und die faszinierende Klangfarbe seines Quartetts – die „Stone Flowers“ im Plural – inspirierte.

Wunderbar runde und warme Klangfarbe etwa kam von der Bassflöte, ein sowohl in Jazz als auch Klassik viel zu selten gehörtes Instrument. Michael Heupel wechselte die Querflöten von Titel zu Titel, spielte sich hinunter bis zur über eineinhalbmeterlangen, an ein U-Boot-Periskop erinnernde Kontrabassflöte, die er in perkussiver Artikulation auch als pointierte Akzentgeberin nutzte. In der Trilogie „Spirals“ – drei Stücke, die sich auf Strukturbildungen beziehen, die in Naturphänomenen zu beobachten sind – kam die vielseitige Klangwelt bestens zur Geltung. Kurzfristig für den erkrankten Jan Schreiner eingesprungen war Tobi Herzog an der Bassposaune, die sich oftmals – und anders, als man erwarten würde – mit hellen Klangfarben zur Flöte gesellte. Finn Wiest am Schlagzeug hielt rhythmisch alles gut beisammen und Benjamin Schaefer selbst musizierte „seine Kompositionen“ am E-Piano mit viel empfindsamer Aufmerksamkeit, immer im Wechsel zwischen notierter Musik und freier Improvisation. Kompositorisch ist Schaefer quasi mit der Schere rangegangen, hat etwa Motive rausgeholt aus der „Geschichte der Steinblume“, einer Ballettmusik des russischen Komponisten Sergej Prokofjew. Die Versatzstücke werden dann durch variiert, ebenso die Harmonik, die gerne frei die Skalen durchwandert und sich nicht lange an einem Grundton festhält. Prokofjew hört man dabei nicht mehr heraus, aber einen wunderschönen, zeitgemäßen Jazz. Darum geht es ja schließlich.

Die „Stone Flowers“ machen erlesene Kunst. Zielgruppe ist sicher nicht das Massenpublikum, eher neugierige Jazzliebhaber und Kenner. Ihr Konzertprogramm und die Titel haben die „Stone Flowers“ aufgenommen und eine kultige – nicht schwarze, sondern rosarote – Vinyl-LP produziert, was Benjamin Schaefer am Abend nicht ohne Stolz präsentierte. Zielgruppe hier: Fans mit Plattenspieler. Ob die Formation langfristig bestehen bleibt, wird sich zeigen. Falls ja, sollten sie unbedingt nochmals nach Karlsruhe kommen. Dann aber in den Jazzclub mit renoviertem Sanitär.

Sonntag, 12. Mai 2024

Freitag, 13. Oktober 2023

Leona Berlin

Konzert im neuen JazzClub Karlsruhe, Oktober 2023

 Groove mit Stimme und Loops

Der Spielbetrieb im neu eröffneten Jazzclub Karlsruhe hat mit dem Konzert von Leona Berlin am Mittwoch gut an Fahrt gewonnen. Die kreative Jazzsängerin und ihre Band mixen Soul und Hiphop zu atmosphärischem R’n’B. Das kam in der gut besuchten neuen Location bestens an.

Zum Konzertanfang kam Leona Berlin erstmal allein auf die Bühne. Ohne Band. Kaffeebecher und Wasserflasche stellt sie beiseite, haucht vorsichtig ins Mikro und schnalzt behutsam mit der Zunge. Das hörte sich zunächst wie ein Soundcheck an, war tatsächlich aber der Start ins musikalische Programm. Hauchen und Schnalzen nämlich speicherte die einfallsreiche Sängerin mit dem flotten Pferdeschwanz via Knopfdruck in ihren Rechner und ließ den Sound per Loop rhythmisieren und wiedergeben, um sogleich darüber mit ihrem schönen Jazzsopran zu singen. Das klingt cool, hat Groove und ist angenehm am Ohr. Und es demonstriert ganz nebenbei, wie versöhnlich all die digitalen Möglichkeiten eines Computers mit der menschlichen Stimme harmonieren. Das in etwa ist auch das künstlerische Konzept der Musik von Leona Berlin, die im Zusammenspiel mit ihrer Band einen atmosphärischen R’n’B entwickelt hat.

Unterm Strich geht es darum, wie gut vorprogrammierte Patterns und freies Musizieren zusammenpassen. In Songs wie „Feminist Energy“ zum Beispiel ist alles in verlässlich feste Drum-Beats eingebettet, die Schlagzeuger Magro aber mit rauschenden Fill-Ins der Becken anzureichern versteht. Keyboarder Martin Lüdicke gibt die Harmonien für die Klangkulisse als Ganzes und Bassist Francesco Beccaro am E-Bass stützt gut und gern mit bewegten und immer treffsicheren Tiefen. Leitend von allem ist dabei Leonas Gesang, der mal erzählend rappt – immer auf englisch – oder mal melodisch auf Klangsilben „uh“ und „ah“ improvisiert – natürlich cool und mit Groove. Die Stimme ist dabei oft mit Effekten wie Hall und Echo oder mit Background-Voices versehen, im Timing perfekt, schließlich läuft hinter allem zumeist eine Songdatei aus dem Rechner mit.

Beim Konzert am Mittwoch Abend im neuen Jazzclub Karlsruhe – im ehemaligen Kino „Kurbel“ am Passagenhof – ließ sich das stimmige Musizieren bestens beobachten, insbesondere vom vorderen freibestuhlten Bereich aus, wo man an Rundtischen sitzt. Hinten auf der ansteigenden Publikumstribüne mit den Kinosesseln ist hingegen der Gesamtsound etwas besser, weil fülliger. Die neue Location ist großartig geworden! Seit der Eröffnung Ende September ist beim Jazzclub der reguläre Spielbetrieb angelaufen. Es sollen hier zukünftig keineswegs „nur“ klassischer Jazz und Sessions auf dem Programm stehen. Der Auftritt von Leona Berlin demonstrierte das eindrücklich.

Die in Karlsruhe geborene Künstlerin, die tatsächlich mit bürgerlichem Nachnamen Berlin heißt, studierte in Mainz Jazz und Pop an der Musikhochschule und ging dann nach Berlin, wo sie 2018 ihr erstes Album bei Warner Music herausbrachte. Das zweite Album „Change“ erschien 2021 und schaffte es in die Bestenliste des „Preises der deutschen Schallplattenkritik“. Diesen Sommer trat Leona Berlin als Gast des Jazzclubs auf der Hauptbühne beim Karlsruher Musikfestival „Das Fest“ auf. Da gab es tollen Rap mit gut tanzbaren Songs beim großen Open-Air. Der Jazzclub wollte sie aber jetzt nochmals im kleineren Rahmen präsentieren. Das Publikum nahm das dankbar an. Denn in den Liedern wie „Who you are“ oder „The Thorn“ geht es letzten Endes auch um Intimes und Menschliches. Da lohnt es sich, auch mal genauer hinzuhören, und das funktioniert im Saal des Jazzclub prima.

Montag, 23. Januar 2023

Giora Feidman & Friends II

Ev. Stadtkirche Karlsruhe: Konzert ausverkauft! Januar 2023

Als er 11 war, musizierte der in Buenos Aires geborene Feidman zum ersten Mal vor der Schulklasse. Deshalb feiert er auf seiner momentanen Tour auch sein 75-jähriges Bühnenjubiläum. Feidman ist eine Legende: Als 18-Jähriger gab er in Südamerika Konzerte, wanderte 1957 nach Israel aus, wo er in Tel Aviv bei den Philharmonikern Orchestermitglied wurde. Das gab er auf, als er 1970 in New York seine Solo-Karriere startete, und zwar mit Klezmer-Musik, die ihn von Kindheit an begleitete. Die hebräische Bedeutung von „Klezmer“ als „Gefäß“ nahm er beim Wort. Feidmans Musik bringt ein hochspannendes Sammelsurium aus jiddischer Folklore, aus Musik der Sinti und Roma, aus Tango, Jazz und natürlich jeder Menge Klassik zusammen. So auch auf seinem 2022 erschienenen Album „Friendship“, von dem er beim Karlsruher Konzert viele Titel präsentierte. Mit dem Gebet „Personal Prayer“ für Solo-Klarinette ging es los. Von tief unten heben sich die Töne in die Höhe, geben in traurigem Moll mit Vorschlägen und Kurztrillern das für den Klezmer typische Schluchzen von sich, um dann in eine zuversichtliche Melodie zu münden. Feidman konzertiert im Sitzen, bläst immer leicht vorgebeugt und etwas eingefallen. Doch so gealtert der Musiker auch sein, so rein und jugendlich klingt sein Spiel. Und mehr noch. Die neuen Stücke sind echte Innovationen, klug arrangiert mit wunderschönen Passagen auch fürs Cello (German Prentki) und die Geige (Piotr Niewiadomski). Zum Einsatz kam am Konzertabend auch ein völlig neuartiges Instrument, ein Cembalo, dessen Tasten mittels Sensorkontakten gesampelte Klangfarben abrufen können. Sergej Techerepanov zauberte damit mal eine schwungvolle Akkordeon-, mal eine innige Vibraphonbegleitung auf die Bühne. Das Ensemble musizierte auf Spitzenniveau, vor allem in der Intonation ganz rein. Das ließ so manche Zuhörer an lyrischen Stellen die Augen schließen. Bei den schwungvollen Liedern, die von Strophe zu Strophe an Fahrt und Tempo aufnehmen, wippten viele Füße im Takt mit. Und bei „Hallelujah“ und „Donna Donna“ wurde mitgesungen – etwas, was Feidman mit zufriedenem Lachen glücklich stimmte. Seine Friedensbotschaft schien angekommen zu sein.

Giora Feidman & Friends I

Konzert in der Ev. Stadtkirche Karlsruhe, Januar 2023
 
Friedensbotschaft mit Klarinette

Der 86-jährige Giora Feidman „macht seinen Job“ und begeistert sein Publikum

Mit Mantel und Baskenmütze tritt Giora Feidman auf die Bühne. „Es ist kalt“, entschuldigt er sich für seinen Dress und durch die Bankreihen der an diesem Donnerstag Abend voll besuchten Karlsruher Stadtkirche wird wohlwollend gekichert. Wegen der Energiekrise bleibt die Kirche kühl. Doch für ein Konzert mit Giora Feidman nimmt man das in Kauf. Der 86-jährige setzt sich, langsam und ruhig. Er nimmt ein Mikrofon in die Hand und spricht, noch bevor der erste Ton gespielt ist, ein paar Worte, Dass das mit dem Krieg alles unmöglich zu verstehen ist. Dass wir doch alle Menschen und „one familiy“ sind. Feidman spricht Englisch mit starkem Akzent und es hallt im großen Kirchenraum. Man versteht ihn akustisch schlecht. Dennoch hängen die Leute an seinen Lippen, nicken und applaudieren. Was Giora Feidman zu sagen hat, scheint ohnehin klar: Musik ist die Sprache, die alle verstehen. Und das bringt Menschen zusammen. So einfach diese Botschaft, so oft wiederholt Giora Feidman sie auch mehrmals im Presseinterview vor dem Konzert. „Gott hat mir diesen Job gegeben“, sagt er: „Deshalb spiele ich für die Menschen, egal wie alt ich bin.“

Donnerstag, 19. Januar 2023

Montag, 26. September 2022

Klappstuhl-Konzert

Kunsthaus-Durlach in der Geigersbergstraße, September 2022

Gestern am Sonntag Nachmittag war das letzte der diesjährigen "Klappstuhl-Konzerte". Flötist Johannes Hustedt (links) und seine Frau Chai Min Werner (rechts) haben die Konzertreihe für draußen im Garten initiiert. Am Kontrabass Roman Rothen und am Akkordeon Christoph Obert.

Sonntag, 11. September 2022

Jazz am Abend

Fest der Südlichen Waldstraße, Samstag, den 10. September 2022