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| Geburtshaus von Geograph Friedrich Ratzel, Oktober 2026 |
Lebensmittelgeschäft in der Kaiserstraße 123. Obst liegt in den Kisten der Auslagen, zwei Einkaufswagen stehen bereit, eine Passantin geht vorbei. Sie hat telefoniert. Ich habe sie skizziert. Klar, musste schnell gehen. Sieht im Ergebnis jetzt eher aus, als ob sie was trinken würde. Auch okay! Ob die Passantin telefoniert oder etwas trinkt, aus einer Dose oder einem Becher, ist jetzt anhand der Zeichnung nicht mehr festzustellen. Wenn mich irgendwann meine Erinnerung verlässt, wird später niemand mehr wissen, ob diese Passantin damals telefonierte oder etwas trank. Deshlab ist es ganz gut, dass ich jetzt dazu einen erklärenden Text liefere. Wobei: Ist jetzt auch nicht so wichtig, ob die Frau telefoniert hat oder ob sie was getrunken hat. Kurzum: Dokumentarischen Ansprüchen genügt die Zeichnung nicht. Ist nicht so super, aber auch okay! Weil: Welchen Sinn hat es, dokumentarisch festzuhalten, dass eine Passantin am 30. September 2026 um - Uhrzeit unbekannt - telefoniert oder was getrunken hat? Wenig Sinn, keinen Sinn. Das leitet mich zu weiteren Fragen an: Wer sind wir? Wo wollen wir hin? Und wenn wir ankommen, wo sind wir dann? Lässt sich das per GPS bestimmen? Bleibt noch zu sagen, dass die Kaiserstraße 123 das Geburtshaus von Geograph Friedrich Ratzel ist. 1844 - Achtung, schöne Formulierung - erblickte er dort das Licht der Welt.

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