Dienstag, 3. November 2026

Karlstraße Ecke Ebertstraße

Große Kreuzung, November 2026
 
Ich nehme Platz direkt vor der roten Ampel an der großen Kreuzung von Karlstraße und Ebertstraße. Zugegeben: Während ich zeichne, springt diese Ampel mehrmals um, wird gelb, wird grün, und wieder rot. Beim Zeichnen aber halte ich mich ans Rot. Und schon das ist so eine Entscheidung, die man gar nicht genug durchdenken kann, was ich uns jetzt aber in der Ausführlichkeit ersparen, in der Andeutung jedoch nicht aussparen will. Wenn du dokumentarisches Wissen hast, dass so eine Ampel rot, gelb und grün geleuchtet hat, dann müsstest du, wenn du eine dokumentarische Zeichnung abliefern willst, auch rot, gelb, grün in deine Ampel hineinzeichnen, was allerdings verwirren würde, denn ich sage nur: Vierte Dimension!

Und mit dem Stichwort von der „Vierten Dimension“ habe ich angedeutet, dass beim Urban Sketching nach den drei Dimensionen mit all ihren Fluchtpunkten, die zu beachten sind, die Zeit nach dem Vor, Zurück und Zur Seite total unterschätzt wird.

Rot gibt dem Bild eine gewisse Dramatik. Rot steht für Stopp, Warnung, Gefahr. Da lässt sich einiges hineininterpretieren. Das hat auch literarisches Potenzial.

Gegenüber prangt auf einer Hauswand in großen, fast jugendstilartigen Buchstaben der Schriftzug „Haus Fidelitas“. Die Straßenbahnen rumpeln über die Kreuzung, Autos stauen sich vor der Ampel, Fußgänger hasten vorbei. Auf dem Nachbarhaus verspricht das Pfandleihhaus Pfando „Bargeld in 60 Minuten“. Darunter der Südwesttreff.

Das ist Beiertheim. Dabei liegen zwischen zwei ziemlich unterschiedlichen Welten nur ein paar hundert Schritte. Unten am Zebrastreifen, dort, wo die Karlstraße beginnt, geht es gemächlich zu. Ein paar große Schritte – sagen wir 300 oder 400, je nach Schrittlänge und Tagesform – weiter nördlich rappelt das Leben mit Straßenbahnen, Autos, Menschen, Reklame. Beiertheim kann beides.

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